Ist Amoklauf versicherbar? Sinnvolle gesellschaftliche Perspektiven
abgelegt im Archiv Haftpflicht am 03.04.09

© oedipusphinxKlar - ein Amoklauf läßt sich nicht mit einer Haftpflichtversicherung vergleichen. Auch die Anzahl der Toten ist in der Versicherungsstatistik kraß unterschiedlich. Denken Sie nur an das Getöse der Betroffenheitsfanatiker und Bedenkenträger über die 15 Toten in Winnenden. Haben Sie Vergleichbares bei den 4.970 Verkehrtoten im Jahr 2007 in Deutschland erlebt? Ich erlebe es nicht. Es findet einfach nicht statt. Warum provozieren solche Vergleiche Prachtexemplare an emotionalen Ausbrüchen? Ich weiß es nicht.
Lassen Sie andere Perspektiven zu? Jürger Elsässer gelingt es sehr gut, seine Leser mitzuführen, ohne sie zu verführen. Warum auch? Eine Perspektive allein beläßt die Gegegenheiten, wie sie sind. Erst Ideologien versperren die Sicht auf das, was ist und verformen sogar das Weltbild. Deswegen war die Erde zeitweise eine Scheibe, nämlich hier, wo katholische Europäer lebten. Die Menschen haben es sich so erklärt, weil sie nur 20 Kilometer weit gedacht haben. Durch die Erdkrümmung verschwindet alles, was auf einer Scheibe sichtbar bleiben müßte. Wer das aussprach, wurde öffentlich verbrannt.
Jürgen Elsässer: "... 27 Killer-Kids ... stammen aus den USA und Westeuropa, aus den Metropolen des Spätkapitalismus. Soll heißen: Diese Gesellschaft brütet in ihrer Mitte Killer aus. ... Damit sind die Analysen von Rechts- wie Linksextremen gleichermaßen blamiert. Die Rechten - und in diesem Fall steht Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble an ihrer Spitze - wollen uns seit Jahr und Tag erzählen, die muslimischen Teenager in unseren Städten seien wandelnde Zeitbomben, die auf Massenmord sinnen. "
Vielleicht besteht auch gar kein Bedarf, Amoklauf zu versichern, weil die Anzahl der Toten relativ gering ist. Die meisten Leute sterben ja auch im Bett, auch die relativ jungen Leute, die durch Chemikalien und andere nette Sachen nach ein paar Jahrzehnten das Zeitliche segnen. Was sollen wir da versichern? Krebstote werden halt betrauert und begraben, auch wenn sie 27 Jahre alt sind und Jade Goody heißen.
Jürgen Elsässer: "... , wenn die Waffen das Problem wären, müßte es in der Schweiz jeden Monat einen Amoklauf geben - dort hat nämlich jeder Familienvater das Sturmgewehr im Schrank.
Und ob das Ganze von der Zahl der Pädagogen abhängt, ist auch sehr fraglich. In Finnland, das bei Pisa viel bessere Werte hat als Deutschland, gab es bekanntlich in den letzten Jahren ebenfalls zwei Schulhof-Massaker.
Umgekehrt verzeichnet man in Serbien (und den anderen Balkanstaaten), wo viel mehr Schußwaffen als bei uns unterwegs sind und bestimmt weniger Geld für den Bildungssektor da ist, signifikant weniger Gewalttaten."
Also, dieses Durcheinander von unterschiedlichen Ursachen ist für Versicherungsmathematiker überhaupt nicht greifbar. Welche Risiken sollen hier überhaupt bewertet werden? Und der Markt ist nicht groß genug, um die Vorlaufkosten für die Entwicklung eines neuen Produktes aufzubringen. Es lohnt einfach nicht den Aufwand. Es ist sinnvoller, Gesellschaften , die Amokläufe erleben, mit solchen zu vergleichen, denen solche Straftaten fremd sind.
Hans Kolpak
versicherungsintern

© oedipusphinx
Tags: Amoklauf Risiko
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Wong
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