Fühlen Sie sich angesprochen?

In meiner Arbeit als Versandhändler bin ich durch die Rechtslage GEZWUNGEN (Bin ich etwa ein Straftäter?), meine Kunden mit einer unsinnigen Widerrufsbelehrung und mit Allgemeinen Geschäftsbedingungen (Bin ich etwa ein Gesetzgeber?) zu konfrontieren. Ich verstehe sie nicht und meine Kunden auch nicht. Es ist eine Verschwendung von Lasertoner und Übertragungsbandbreite.
Das, was mein Geschäft betrifft, ist in drei Sätzen verständlich geregelt und praktiziert. Das Juristen-Geschwurbel ist nicht relevant. Neulich kaufte eine Rechtsanwältin ein VHS-Video bei mir ein und bezichtigte mich völlig gegenstandslos des Betruges. Vor Lauter Wald sah sie keine Bäume mehr. Sie erhielt ihr Geld zurück, damit ich nichts, aber auch rein gar nichts mehr mit ihr zu tun habe.
Das gleiche passiert immer noch bei den meisten Texten, die von Versicherungsgesellschaften veröffentlicht werden, um sich juristisch gegen unberechtigte Ansprüche abzugrenzen. Die Schrift ist zu klein, das Kanzleideutsch ist eine Beleidigung für demokratische Untertanen. Dabei hat der Lotse schon lange das Schiff verlassen und den Künstler aus Braunau haben wir auch durch.
Prof. Dr. Günther Zimmermann: "Darüber hinaus öffnen Texte wie diese einem schlimmen Verdacht Tor und Tür: 'Die wollen gar nicht, das man das versteht. Damit man in einem Prozess keine Chance hat', wie das eine unserer Versuchspersonen äußerte. Und ähnlich viele andere. Jedenfalls kann mit einem solchen Sprachduktus ein Vertrauensverhältnis zwischen Versicherern und Versicherungsnehmern kaum entstehen."
In einem Interview mit dem VersicherungsJournal Österreich bemängelt der deutsche Sprachexperte die sprachliche Qualität der Geschäftsbedingungen von Versicherungen. Und ich beanstande die sprachliche Ausdrucksfähigkeit des Interviewers. Günther Zimmermann kritisiert "die 'Substantivitis', also die Häufung von Nominalstilphrasen, wo eine verbale Ausdrucksweise besser verständlich und angenehmer zu lesen wäre." Genau dieser fällt Dr. Werner Putz anheim. So wird dieses wertvolle Interview zu einer Satire. Schade.
Sollen wir deshalb die Hoffnung aufgeben? Nein! "Dr. Günther Zimmermann ist emeritierter ordentlicher Professor an der Technischen Universität Braunschweig. Seit 1996 ist er auch als Lehrbeauftragter für 'Didaktik der technischen Texte' im Fachbereich 'Fahrzeug-, Produktions- und Verfahrenstechnik' an der Fachhochschule Braunschweig / Wolfenbüttel tätig." Der Mann hat es echt drauf! Seine Worte sind Labsal! Das müssen Sie unbedingt lesen!
Hans Kolpak
versicherungsintern